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Heimische Wildstauden pflanzen – Eine Anleitung

von | 11.Sep 2022 | Hegen & Pflegen

Frühling und Herbst sind günstige Zeiten um Stauden zu pflanzen. Im Herbst vermindert sich zudem das Längenwachstum. Dadurch bleibt mehr Energie für die Ausbildung der Wurzeln. In der Regel ist es zu beiden Jahreszeiten nicht zu warm oder zu trocken und daher eine günstige Zeit zum Pflanzen.

Das kannst du nutzen und aktiv werden. Jetzt kannst du Sträucher, Kräuter, Bäume und heimische Wildstauden in deinem Garten pflanzen. Wie? Das erfährst du jetzt.

 

Inhaltsverzeichnis

→ Der richtige Standort
→ Bodenvorbereitung
→ Pflanzanleitung: Schritt für Schritt
→ Pflege der Anpflanzung

Du hast keinen Garten? → Wildpflanzen im Topf – Eine Pflanzanleitung
Du hast keine Stauden aber Saatgut? → Blumensamen richtig aussäen – Eine Anleitung
Du willst mit einer Saatgutmischung einen Wildblumensaum anlegen? → Wildblumensäume anlegen und pflegen

Die Pflanzen sind da

Bestellte Stauden gleich aus dem Karton auspacken, damit sie sich von dem Lichtmangel und dem Transport erholen können. Stelle sie für ca. drei Tage an einen schattigen, aber hellen Ort. Ist der Wurzelballen zu trocken, dann gleich gießen.

Hast du Pflanzen direkt in der Gärtnerei gekauft, kannst du sie auch gleich einpflanzen.

Qualitätsmerkmale 

Im Herbst kann es vorkommen, dass sich die oberirdischen Pflanzenteile der Topfpflanzen bereits zurückziehen und nicht mehr frisch grün aussehen. Sie sammeln ihre Kraft im Wurzelbereich und treiben im kommenden Jahr neu aus. In dem Fall kannst du an den Wurzeln erkennen, ob die Blume dennoch kräftig und gesund ist: Wurzeln -egal ob dick oder dünn – sollten mehr oder weniger stark den ganzen Topf durchwurzelt haben. Einige Arten, wie z.B. Sedum sind Ausnahmen, die kein stark ausgeprägtes Wurzelsystem ausbilden.

Den richtigen Standort wählen

Das ist wichtiger denn je. Da wir zunehmend heiße und trockene Sommer haben, ist ein falscher Standort nur noch mit viel Aufwand ausgleichbar. Pflanzen mit einem höheren Wasserbedarf können nicht an trockenen Orten überleben, ohne permanent gegossen zu werden. Einerseits ist der zeitliche Aufwand hoch. Vor allem aber ist es eine Frage des bewussten und nachhaltigen Umgangs mit der Ressource Wasser. Genauso wichtig wie die Verfügbarkeit von Wasser, ist auch die Vorliebe für einen sonnigen, schattigen oder halbschattigen Standort. Hiervon hängt ganz allgemein das Überleben, aber z.B. auch die Blühfreudigkeit und das Größenwachstum ab.
→ Informationen zu den Standorteigenschaften einer Wildstaude findest du auf der jeweiligen Produktseite im Shop.

Mein Tipp: 

Ich liebe Succisa pratensis, den Teufelsabbiss. Er liebt Halbschatten und frischen Boden. Ich lebe aber auf einem Grundstück am Hang in Südlage, häufigem Wind und minimaler Humusschicht. Kein Ort für den Teufelsabbiss.

Deshalb habe ich ihn in einen großen Topf auf der Terrasse gepflanzt. Der Wasserverbrauch ist dadurch gering und ich habe ihn dennoch in meiner Nähe.

Von der Natur lernen

Ein Blick in die Natur zeigt uns genau, was an welchen Standorten wachsen und sich vermehren kann; wie die Lebensräume beschaffen sind. Wir können es auf unsere Grundstücke übertragen und mit den passenden Stauden kreativ werden. Wichtig scheint vor allem zu sein, dass wir mit den jeweiligen Bedingungen, die wir im Garten vorfinden, innerlich im Einverständnis sind, uns darauf einlassen und die Herausforderung annehmen.
Staudenbeete planen und gestalten ist ein sehr individueller und kreativer Prozess, dessen Ergebnis erst viel später sichtbar wird und sich dann ja auch immer wieder wandelt. Ein Prozess eben.

Bodenvorbereitung

Viele Wildblumen brauchen eher mageren und vor allem durchlässigen Boden. Hier darfst du etwas nachhelfen, wenn du einen eher lehmigen Boden hast. Du kannst Sand oder Schotter vorsichtig in die oberste Schicht einarbeiten und aufbringen. Auf diese Weise wird der Boden abgemagert und durchlässiger.

Andersherum kannst du Humus, Gesteinsmehl und/oder Hornspäne aufbringen und mit in die Pflanzlöcher geben, wenn ein nährstoffreicher Boden von der Staude gewünscht wird.

Bevor du ein Pflanzloch aushebst, lockere zuerst den Boden mit einer Grabegabel, damit die Staude leichter die Möglichkeit hat, Wurzeln ins Erdreich hinein zu entwickeln. Damit die Pflanze gegen die viel konkurrenzstärkeren Beikräuter einen Wuchsvorsprung bekommt, ist es sinnvoll gründlich zu jäten und alle Wurzeln zu entfernen. Danach kannst du das Pflanzloch vorbereiten. Es sollte doppelt so breit und tief sein, wie der Staudentopf.

Nicht umgraben

…denn so bleibt die Bodenfauna intakt. Das ist wichtig für das Anwachsen der Stauden. Durch das Vermischen der Bodenschichten werden Lebewesen aus ihrem individuellen Lebensraum gerissen. Sie sterben dann z.B. durch Trockenheit an der Oberfläche und andere an Sauerstoffmangel in der Tiefe. Dadurch werden Stoffwechselprozesse vorübergehend zum Erliegen gebracht, die wichtig für das Pflanzenwachstum sind. Beispielsweise, wenn Humus in pflanzenverwertbare Nährstoffe umgewandelt wird.
Bei einer Neuanlage von Beeten kann ein Umgraben in manchen Fällen nötig sein. Dann braucht es allerdings einige Zeit, bis sich der Boden gesetzt und die Lebewesen wieder ihren Platz gefunden haben. In der Regel gräbt man daher im Herbst um und pflanzt im Frühling.

Heimische Wildstauden pflanzen – Eine Anleitung

Unabhängig davon, ob Herbst oder Frühling ist, stellst du die Pflanzen unmittelbar vor dem Einpflanzen kurz in einen Eimer oder eine Wanne voll Wasser. Lass sie sich einmal vollsaugen, bis keine Blasen mehr aufsteigen, dann hat sie gleich einen Flüssigkeitsvorrat.

Nimm nun die Staude aus dem Topf. Manchmal halten herausgewurzelte Wurzeln die Pflanze fest. Dann ist es völlig in Ordnung, diese abzuschneiden.

Ist der Wurzelballen sehr fest durchwurzelt, kannst du die untersten Wurzeln leicht aufreißen. Diese kleine Verletzung hilft der Pflanze dabei, schnell wieder neue Wurzeln nach zu bilden und sich ins Erdreich auszubreiten.

Setze die Staude ins Loch…

… und fülle die Erde wieder auf.

Im Idealfall sitzt sie 1 cm tiefer, mindestens aber genauso tief in der Erde, wie vorher im Topf. Auf keinen Fall darf der Ballen über der Erdoberfläche hinausragen. Die Erde wird nun etwas angedrückt.

Abschließend gießt du die Pflanze an – ganz egal, ob es regnet oder nicht – damit die Wurzeln Kontakt zur Erde bekommen und so den Reiz erhalten los zu wachsen.

Pflege der Anpflanzung

Die heimischen Wildstauden sind gepflanzt und brauchen in den ersten 1-2 Jahren noch deine Aufmerksamkeit.

 

  • Nicht zu viel gießen. Die Pflanzen können sich so nicht in die Tiefe verwurzeln, wenn immerzu Wasser direkt an der Oberfläche zur Verfügung steht. Nur bei sehr langer Trockenheit wässern. Spätestens nach zwei Jahren nicht mehr.
  • Eine Mulchschicht hilft dabei das Wasser in der Erde zu speichern. Leider ist es auch ein idealer Schneckenwohnort. Wer hier Probleme hat, muss leider auf das Mulchen verzichten.
  • Jäten, damit die Beikräuter den gesetzten Wildstauden nicht über den Kopf wachsen. Sobald die Anpflanzung geschlossen ist, haben Beikräuter kaum noch eine Chance.
  • Düngen ist nicht erforderlich und bei Wildpflanzen mit mageren Ansprüchen sogar nachteilig. Sie schießen dann zwar in die Höhe, sind aber weniger stabil und blühfaul.
  • Die vertrockneten Stängel jährlich erst im Frühjahr schneiden, so hat die Pflanze und kleine Insekten einen gewissen Winterschutz.

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