Bei der Staudenpflanzung wird immer das Frühjahr oder der frühe Herbst, als sogar noch optimalere Pflanzzeit beschrieben. Aber warum? Können Stauden nicht auch im Winter, also November, Dezember oder Januar eingepflanzt werden? Bäume und Sträucher – gerade die wurzelnackten Exemplare – sollen ja gerade dann in die Erde.
Was sind also die Hintergründe für die Empfehlungen von Gärtnern und Gärtnereien?
Inhaltsverzeichnis
→ Was sind optimale Pflanzbedingungen?
→ Frühling versus Herbst
→ Kann man Stauden auch im Winter pflanzen?
→ Worauf es bei einer Winterpflanzung ankommt
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Was sind optimale Pflanzbedingungen?
Also beginnen wir doch mal damit zusammen zu tragen, was Stauden während ihrer Pflanzzeit mögen, welche Witterungsbedingungen und Bodenverhältnisse wachstumsfördernd sind.
BODENVERHÄLTNISSE: Die Stauden mögen einen durchlässigen Boden, der Wasser gut ablaufen lässt, der warm und feucht ist und für die Pflanzung etwas aufgelockert wurde. Dann können die Wurzeln sich zügig ausbreiten und weitere Feinwurzeln bilden, die für die Nährstoff- und Wasseraufnahme unerlässlich sind.
KLIMA/MIKROKLIMA: Warme, aber nicht heiße Temperaturen, keine Minusgrade, gemäßigter Regen… und diese Bedingungen noch für die nächsten 3-4 Wochen. Das ist dann ideal für das Einwurzeln und gesundes Wachstum der Pflanze.
BIOLOGIE DER STAUDEN: Ab Spätsommer bis in den Herbst hinein ziehen sich zeitlich gestaffelt die Stauden zurück. Es gibt zwar auch wintergrüne Arten, doch die meisten lagern ihre Kräfte und Nährstoffe unterirdisch in Wurzeln, Knollen, Zwiebeln usw. ein und überstehen so die kalte Jahreszeit. Spannend für den Gärtner daran ist, dass sie in der Zeit des reduzierten oder ganz eingestellten Längenwachstums leichter einwurzeln.
Wenn wir das nun zusammenfassen – warm, aber nicht heiß, günstig verteilter Regen, warmer und feuchter Boden, Stauden wachsen nicht mehr – dann ist das zwar eine idealisierte Vorstellung, entspricht aber am ehesten in den meisten Regionen dem Spätsommer und frühen Herbst.
Das also ist die optimalste Pflanzzeit für alle Stauden, weil es die Lieblings-Einpflanzbedingungen der Stauden berücksichtigt.
Der Spätsommer und frühe Herbst haben meistens viele der günstigen Faktoren, die eine Pflanung von Wildstauden erfolgreich macht.
Frühling versus Herbst
Aber der Frühling wird doch auch immer als mögliche Pflanzzeit für Stauden genannt? Das stimmt.
Und wenn das Frühjahr nicht zu trocken und viel zu warm daherkommt und sich nicht auch noch ein unfassbar trockener und heißer Sommer anschließt, dann können die Stauden, auch wenn sie bereits in die Höhe wachsen, dennoch gut am Standort ankommen. Meistens allerdings ist es doch zu trocken – zumindest für die frisch gepflanzten Exemplare – und man muss die Neupflanzung dann einfach eine ganze Saison lang engmaschig betreuen und wässern.
Bei einer frühen Herbstpflanzung muss man im besten Fall die Stauden nur einmal anwässern und den Rest übernehmen die feuchteren und weniger warmen Herbstbedingungen.
So, und nun bleibt dann immer noch die Überlegung:
Kann man Stauden auch im Winter pflanzen?
Nachdem, was wir über die optimalen Pflanzbedingungen wissen, kann man die Frage nicht verneinen, aber auch nicht ganz bedingungslos bejahen. Warum? Noch mal ein Blick auf die drei Faktoren:
BODENVERHÄLTNISSE: Die Böden sind häufig schwer und nass vom herbstlichen Regen und winterlichem Schnee. Dadurch fehlt es an Sauerstoff im Boden. Naja, und die Böden sind nicht mehr warm. Perfekte Bedingungen für Wurzelfäule. Und leider sind junge Pflanzen besonders empfindlich gegenüber Nässe im Wurzelbereich.
KLIMA/MIKROKLIMA: Die Temperaturen sind niedrig und es besteht immer wieder Frostgefahr, bei der grundsätzlich nicht gepflanzt werden darf. Noch nicht eingewurzelte Stauden sind der Kälte noch nicht so tolerant gegenüber.
BIOLOGIE DER STAUDEN: Das Längenwachstum ist zwar eingestellt, aber auch das Wurzelwachstum fast vollständig. Während im warmen Boden die Pflanzen in wenigen Wochen einwurzeln, passiert im Winter kaum noch was.
Das klingt nicht so optimistisch. Dennoch können spätherbstliche oder sogar Winterpflanzungen erfolgreich sein. Das weiß ich aus eigener Erfahrung und einiger anderer Projekte. Es braucht ein wenig Aufmerksamkeit auf das Wetter und ein paar gute Randbedingungen.
Worauf es bei einer Winterpflanzung ankommt
Wenn es z.B.
⇒ nicht so viel geregnet hat und der Boden zwar schon kalt, aber nicht so nass ist,
⇒ demnächst kein Frost kommt, das Wetter nahezu mild ist
⇒ und der Boden durchlässig ist oder mit Sand und/oder Schotter noch aufgewertet wird,
dann sind das ganz gute Bedingungen für eine Pflanzung im Winter. Außerdem ist
⇒ mulchen in diesem Fall Pflicht.
Es sind zwar winterharte Stauden, aber es sind Jungpflanzen, die außerdem zu einer ungünstigeren Zeit und Bedingungen ihr Quartier wechseln und darum ausnahmsweise einen Winterschutz benötigen. Stroh, Tannengrün…sind mögliche Mulchmaterialien. Im frühen Herbst gepflanzte Stauden benötigen das nicht, weil sie sich noch am Platz etablieren können.
Aber natürlich bleibt immer ein bisschen Risiko, denn wir können nicht über viele Wochen das Wetter vorhersagen. In der Regel ist es die Häufung ungünstiger Bedingungen, die eine Pflanzung auch mal schief gehen lassen. Wohin gegen ein einzelner suboptimaler Faktor von der Staude verschmerzt werden kann.
Fazit:
Würde ich Winterpflanzungen für Stauden nun empfehlen? Nicht bedenkenlos. Aber wenn möglichst viele Faktoren stimmen, kann man das Risiko eingehen. Die beste Pflanzzeit für Stauden bleibt aber der ausklingende Sommer und frühe Herbst!
PS: Bäume und Sträucher haben zwar auch ihr oberirdisches Wachstum eingestellt, wurzeln aber auch im Winter weiter. Außerdem sind sie gegenüber nassen Böden nicht anfällig.


