Wildblumen auf dem Friedhof, auf Gräbern? Die Idee ist nicht mehr neu. Schon seit einigen Jahren gibt es verschiedene Projekte und Broschüren, die ein naturnahes Friedhofsbild vermitteln und bei der Umsetzung helfen sollen.
Aber – um es positiv auszudrücken – das scheint wohl noch ein längerer Weg zu sein, bis alte Bilder auch innerlich neu gedacht werden können.
Inhaltsverzeichnis
→ Bestandsaufnahme
→ Friedhöfe als Orte für aktiven Naturschutz
→ Was verhindert die Umsetzung?
→ Wildblumen auf dem Friedhof
→ Worauf kommt es bei einer naturnahen Grabgestaltung an?
Fragst du dich auch, ob man Stauden ganzjährig pflanzen kann? → Kann man Stauden auch im Winter pflanzen?
Rasen- oder Flächenumgestaltung gewünscht? → Wildblumenwiesen anlegen und pflegen
Bestandsaufnahme
Im Moment sorgt der gesellschaftliche und ökonomische Wandel, im dem sich Friedhöfe befinden, dafür, dass bisher nur mancherorts das Thema Naturschutz und Biodiversitätsförderung als Chance zur Veränderung begriffen wird. Zurzeit findet man noch die gleichen Konzepte der Gestaltung und Pflege, wie in vielen Bauhöfen der Städte und Gemeinden:
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- Wechselflor mit den immer gleichen Zierpflanzen auf Freiflächen und Gräbern
- Kurzgeschnittene Rasenflächen ohne Blüten
- Zu wenig heimische Sträucher und Stauden
- Kaum Vielfalt an Strukturen, die interessant für Flora und Fauna sein könnten
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Zierpflanzenbetriebe produzieren jedes Jahr die gleichen Zuchtsorten, die unter künstlichen Bedingungen rasch zu kurzlebigen Traurigeiten heran gezogen werden.
Friedhöfe als Orte für aktiven Naturschutz
Da Friedhöfe in einigen Städten und Gemeinden einen großen Anteil am Stadt-/Gemeindegrün haben, sind sie im Zuge der biodiversitätsfördernden Maßnahmen auch ins Blickfeld gerückt. Man erkennt die Chance, bereits vorhandene naturnahe Standortbedingungen, wie bspw. alten Baumbestand, die häufig geschützte Lage hinter Hecken und Mauern – die bereits jetzt ein Rückzugsort von zahlreichen heimischen Tieren und Pflanzen ist – weiter zu fördern. Aus diesem Grund haben sich an verschiedenen Orten in Deutschland überregionale aber auch individuelle Projekte und Gruppen gebildet, die zunächst nur in ausgewählten Städten versuchen, die alte Friedhofskultur mit Biodiversitätsansprüchen neu zu denken und tatkräftig umzusetzen.
Der Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands e.V., die sich selbst als die offizielle Vertretung der Friedhofsverwaltungen in Deutschland sehen, haben eine umfangreiche und mutige Broschüre herausgegeben. Sie beschreiben, mit welchen Möglichkeiten in der Gestaltung und Pflege von Friedhofsflächen echter Naturschutz realisierbar ist. Dabei werden u.a. folgende Faktoren aufgezählt:
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- Verändertes Mähkonzept: z.B. weniger häufig mähen, Abräumen von Mähgut, Staffelmahd usw.
- Rasenflächen in Wildblumenwiesen umgestalten, Wildblumen auf Gräbern in Form von Dauerbepflanzung
- Heimische Sträucher und Bäume pflanzen
- Totholz einbinden, Benjes Hecken etc., Wasser integrieren, evtl. als Teich
- Altes Mauerwerk und Steinmauern pflegen und erhalten und Pflanzenbewuchs zulassen
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Was verhindert die Umsetzung?
Kurz gesagt die alten Leitbilder…also die Menschen selbst.
Der Friedhof ist selbstverständlich ein sensibler Ort. Menschen sind in Trauer dort versammelt. Und darum ist es hier noch auf eine andere Weise schwierig Veränderungen einzuläuten. Es ist in allen Broschüren und Websites von Projekten, Naturschutzbünden und Friedhofsverbänden zu lesen, wie vorsichtig – sogar in der Sprache – man sich dem Thema äußerer Veränderung auf dem Friedhof annähert.
Das bisherige Bild von Sauberkeit und Ordnung auf einem Friedhof hat ganz sicher lange getragen und eine gewisse Sicherheit vermittelt, dennoch ist es kostbar, wenn sich Gemeinden und Städte trauen, zunächst einzelne Bereiche auf Friedhöfen naturnah zu gestalten.
Es gibt bereits auch positive Erfahrungen, die zeigen, dass die Friedhofsbesucher die Umgestaltung wertschätzen und sich ein neues Bild von Schönheit etabliert. Zum Beispiel auf dem Friedhof der Gemeinde Bitz.
Zum Kurzfilm (5 min) einfach auf das Bild rechts klicken.
Darum ist es aber besonders wichtig, die Besucher von Friedhöfen zu informieren. Es braucht Aufklärung im Vorfeld und begleitend für die Veränderungen, damit überhaupt eine Akzeptanz und Anteilnahme entstehen kann.
Wildblumen auf dem Friedhof
Was kann jetzt jeder von uns tun? Fall du die Möglichkeit hast innerhalb einer Gruppe die Umgestaltung vom Friedhof zu begleiten oder sogar anzustoßen, ist das großartig. Die andere Möglichkeit Einfluss zu nehmen, ist die private Gestaltung der Gräber. Vermutlich braucht das sogar noch mehr Mut, als im heimischen Garten. Auf dem Friedhof steht man sehr viel mehr den Bewertungen der anderen Besucher gegenüber und dem üblichen Einheitsbild von jahreszeitlich wechselnden Zierpflanzen.
Aber wenn du den inneren Ruf hörst, ein bisschen mehr Vielfalt und ein anderes Bild von natürlicher Schönheit und Lebendigkeit in einer Grabgestaltung umzusetzen, dann hast du die Chance ins Handeln zu kommen. Und das noch öffentlichkeitswirksamer als im eigenen Garten!
Worauf kommt es bei einer naturnahen Grabgestaltung an?
Natürlich ist es wie bei allen Pflanzungen wichtig, die Standortbedingungen zu kennen.
Wieviel Licht fällt auf das Grab? Sind hohe Bäume oder Mauern in der Nähe, die Schatten werfen können? Braucht es also Wildblumen für sonnig, trockene Standorte oder eher welche für den Halbschatten?
Wie ist der Boden? Eher schwer oder leicht? Wenn er sehr lehmig oder tonig ist, kann Sand oder Schotter untergearbeitet werden, um ihn durchlässiger zu machen. Denn sehr viele Wildblumen brauchen einen durchlässigen Boden, in dem Regen gut ablaufen kann, ohne zu stauen.
Wildblumen auf dem Friedhof brauchen keinen Dünger. In der Regel sind die vorhandenen Böden, selbst wenn sie mit Sand und Schotter versetzt werden, ausreichend mit Nährstoffen angereichert.
Dann wird es sehr individuell. Welche Wildblumen gefallen dir? Welche Wuchshöhe möchtest du auf deinem Grab haben? Das hängt womöglich auch mit dem Grabstein zusammen, der durch die Blütenpracht hindurch sichtbar bleiben soll. Magst du eine große Flexibilität im Wuchsbild der Wildstauden? Dann könntest du teilweise auch mit Zweijährigen gestalten, wie Natternkopf und Königskerzen. Oder möchtest du ein inneres Bild umsetzen, was sich über einen längeren Zeitraum so hält? Dann setze ausschließlich auf ausdauernde Stauden.
Neben den Stauden, gibt es die Möglichkeit auch weitere Strukturen, wie Steine und kleine Totholzelemente oder Wasserschalen als Tränken für Vögel und Insekten zu integrieren.
Tipps:
Denke an Frühblüher. Die Zwiebeln blühen schon zeitig im Frühjahr. Davon haben die Insekten und alle menschlichen Besucher was.
Genauso wichtig ist ein attraktives Winterbild. Durch den Einsatz von z.T. immergrünen Wildstauden und einer insgesamt langen Blühsaison, bleibt das Grab lange schön und vielfältig. Wenn du eine Anregung für Pflanzensets für Gräber suchst, findest du die auch bei mir im Onlineshop.
Gräser können die feingliedrigen und verspielten Pflanzpartnerin von Stauden sein.
Es gibt unzählige Frühblüher, für sonnige und auch halbschattige Plätze.
Stauden mit attraktivem Winterbild können eine optische Bereicherung für Gräber sein.
Im ersten Jahr brauchen alle Wildblumen noch etwas Aufmerksamkeit. Im Notfall auch mal Wasser. Nach dieser Zeit sind sie gut verwurzelt und können sich selbst versorgen. Ein Pflegeschnitt der abgestorbenen Pflanzenteile macht aus Naturschutzsicht erst im Frühling Sinn. Solange können die Stängel noch Versteck und Winterquartier für Kleinsttiere sein.
Aber der Friedhof ist im Moment sicherlich noch ein sensiblerer Ort, als das eigene Grundstück. Vielleicht braucht es am Anfang noch ein bisschen mehr Kompromisse, die später nicht mehr nötig sind, weil sich das Bild von natürlicher Schönheit durchgesetzt hat.
Also vielleicht spürt der ein oder andere, dass es zunächst kompromissfördernder wäre, die Blütenstängel anfänglich doch im Herbst zu schneiden oder stark versamende Stauden nach der Blüte. Ich glaube, das muss sich auch alles entwickeln dürfen. Hauptsache ist doch anzufangen und in die Verantwortung mit der Umwelt zu gehen.
Fazit:
Ein Wildblumengrab kann gepflegt aussehen und dennoch lebendig, vielfältig und nachhaltig sein. Nur Mut für die notwendige Veränderung!



