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Wildblumensäume anlegen und pflegen

von | 13.Dez 2023 | Hegen & Pflegen

 

Säume sind artenreiche Hochstaudenfluren, beherbergen also eine vielfältige Zusammensetzung von mittleren bis hohen ein-, zwei- und mehrjährigen Stauden. Zu jeder Jahreszeit wirkt ein anderer Blüh- oder Vegetationsaspekt. Sie sind stattlich und kostbar für die Tierwelt.
Wildblumensäume lassen sich leicht auch im eigenen Garten anlegen und pflegen.

Inhaltsverzeichnis

→ Was sind Wildblumensäume?
→ Wildblumensäume anlegen
→ Wildblumensäume richtig pflegen

Du möchtest auch eine Blumenwiese anlegen? → Wildblumenwiesen anlegen und pflegen

Du möchtest wissen, wie dir Aussaaten von Wildblumen gelingen?  → Blumensamen richtig aussäen – Eine Anleitung

Was sind Wildblumensäume?

In der Natur sind Säume verbindende Strukturen, die in der Biotopvernetzung eine entscheidende Rolle spielen. Säume entstehen natürlicherweise entlang von Wäldern, also zwischen dem Wald und dem Feld oder der Wiese, entlang von Hecken, Felsen, Wegen, Kulturflächen und Gewässern. Im besiedelten Raum auch entlang von Gebäuden und Mauern.
Säume sind linienförmige, verbindende Elemente, die wie Lebensadern (VWW, Zusammenschluss von Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten), die Landschaft durchziehen und auf Grund ihres Standortes unfassbar vielfältig sein können.

Wildblumensäume sind grundsätzlich sehr artenreich, da sie zusätzlich zu den Wildblumen aus Wiese und Heckenbereichen, auch andere Arten beherbergen. Dieser Blütenreichtum lockt Hummeln, Wildbienen, Schmetterlinge und alle anderen Geflügelten an. Und natürlich auch diejenigen, die sich von ihnen ernähren: Kleintiere und Vögel. Da Säume im Kulturbereich nur einmal im frühen Frühling gemäht werden, bieten sie auch über den Winter sowohl Versteckmöglichkeiten in alten Blumenstängeln, als auch Körner- und Samenfutter für die Vögel.
Auf Grund ihrer Höhe, werden Säume meist selten betreten und geben darum einigen Tierarten auch die Möglichkeit dieses Biotop als Rückzugs- und Vermehrungsort zu nutzen.

In der freien Natur würde ein Wildblumensaum ohne menschliche Eingriffe irgendwann Verbuschen und dann sogar Bäumen einen Wohlfühlort bieten. Der Saum würde mit der Zeit verschwinden.

Im Garten können wir den Saum als Übergangstruktur oder auch als verbindendes Element nutzen und gestalterisch umsetzen. Wie in der Natur passen Wildblumensäume ganz natürlich vor Hecken, entlang von Wegen, Mauern, Zäunen und auf Grund ihrer Höhe auch als Sichtschutz. So entsteht nicht nur Lebensraum, sondern auch vielfältiger Raum, der einem Grundstück ganz andere Blickaspekte, Sichtachsen und Tiefe geben kann. Darum: Lass uns Wildblumensäume anlegen und pflegen!

Artenvielfalt weist den Saum als kostbare und verbindende Biotopstruktur aus.

Wildblumensäume anlegen

Wie breit soll denn ein Saum mindestes sein?
Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Von 50 cm Breite, bis zu 2 m und mehr werden empfohlen. In schmale Streifen können selbstverständlich schneller Beikräuter aus der Umgebung Eingang finden und brauchen darum etwas mehr Aufmerksamkeit. Und auch Tieren bietet ein breiterer Saum mehr Rückzugsorte. Dennoch ist ein schmaler Saum besser als gar kein Saum!

Wenn du einen Wildblumensaum anlegen möchtest, finde heraus, wieviel Sonne oder Schatten dieser Ort bietet. Es gibt Samenmischungen für die Sonne, aber auch für Schattensäume.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, den Boden für die Saumeinsaat vorzubereiten:

      1. Du trägst die obersten 20 cm Boden ab und füllst mit einem Mineralgemisch wieder auf. Der Vorteil ist, dass das Mineralgemisch unkrautsamenfrei und nährstoffarmer ist, was für eine reiche Blütenfülle hilfreich ist.
        Das Mineralgemisch kann je nach Region unterschiedlich sein. In meiner Umgebung besteht er meist aus Kalk. Zum Säen sollte es einen Durchmesser von 0-16 mm haben. Also ein Mineralgemisch zwischen Staubanteil (0) und Steinchen, die maximal 16 mm groß sind. Auf diese Schicht kommt eine hauchdünne Kompostlage. Sie ist hauptsächlich für die Samen wichtig, denn im Kompost wird länger die Feuchtigkeit gespeichert, die für den Keimungsprozess relevant ist.
        Für einen Schattensaum eignet sich eine Mischung aus ungewaschenem Sand und Kompost, im Verhältnis 1:1.
      2. Wenn du nicht ausschachten möchtest oder kannst, gibt es die Möglichkeit, den Boden vom Bewuchs zu befreien und möglichst tiefgründig zu lockern, um Wurzeln und Pflanzen heraus zu sammeln. Du kannst das mit einer Fräse machen oder per Handarbeit mit Spitzhacke und Hacke. Nach einiger Zeit werden dann wieder Samen von Beikräutern auflaufen. Diese musst du wieder entfernen und erneut durchhacken. Je nach Unkrautdruck des Bodens, wäre es gut diesen Vorgang zwei bis vier Mal zu wiederholen. Je mehr Samen bereits gekeimt haben, umso unkrautfreier wird der vorbereitete Boden für die Ansaat sein.
        Wenn dein Boden sehr lehmhaltig ist, arbeitete in die obersten 10-15 cm Sand ein.

Ein kleiner Tipp:

Du kannst auch eine Einsaat mit einer Pionierbepflanzung verbinden. In dem Fall nimmst du dir ein paar Stauden (z.B. 1-3 pro m²) und pflanzt sie vor der Einsaat ein. Beim Aussäen musst du jetzt nur darauf achten, nicht zu dicht an die Stauden zu säen. Mit dieser Mischform wirkt die Fläche schneller bewachsen. Gleichzeitig machen die gepflanzten Stauden Mini-Minikleinstklima-Schutzbereiche, in dem bspw. ein Blatt einen Schatten wirft, wo sich ein Sämling leichter entfalten kann. Klingt weit hergeholt? Ist aber so beobachtet und dokumentiert worden. Pionierpflanzungen können also auch eine Chance sein.

Nun geht es an die Einsaat. Die beste Zeit dafür ist der Herbst, zwischen August und September, bevor das Wetter wieder feuchter wird. Die andere Möglichkeit ist das Frühjahr, zwischen März und Mai. In trockenen Regionen, muss dann allerdings die Ansaat regelmäßig feucht gehalten werden. Im schlimmsten Fall bedeutet das tägliches Wässern, bis nach 4-8 Wochen die meisten Samen gekeimt sind.
Es ist hilfreich die Einsaat bei trockenem Wetter und Boden vorzunehmen, damit beim Anwalzen der Samen nicht die feuchte Erde incl. des gerade ausgebrachten Saatguts am Brett kleben bleibt.
In den Saummischungen sind Warm- und Kaltkeimer enthalten, also Samen, die direkt im Frühling keimen und welche, die erst eine Kälteperiode brauchen, um dann im Frühling zu keimen. Bei einer Herbsteinsaat wird diese Phase direkt zu Anfang durchlaufen.

Die meisten Wildblumen sind Lichtkeimer und klein bis winzig. Daher ist es meist leichter die benötigte Saatgutmenge mit trocknem Sand, geschrotetem Getreide, Sägemehl, etc. zu strecken und dann das Saatgut gleichmäßig über die Fläche zu verteilen. Lichtkeimer werden nicht mit Erde abgedeckt. Deshalb ist der nächste Schritt das Anwalzen des Saatguts. Dafür kannst du z.B. ein Brett nehmen. Dieser Schritt ist unfassbar wichtig, denn die Samen brauchen den Bodenschluss/Erdkontakt. Danach kannst du mit einer wirklich feinen Brause anwässern. Wenn du ein Mineralgemisch aufgebracht hast, kannst du das Saatgut auch ohne Anwalzen gut, aber vorsichtig anwässern.

Und jetzt ist Geduld gefordert, bis der Wildblumensaum sich entwickelt.

 

Wildblumensäume richtig pflegen

Wenn du die Einsaat auf deinen vorhandenen Boden ausgebracht hast, werden vermutlich, trotz guter Vorbereitung, die Beikräutersamen (die zu vielen im Boden vorhanden sind und dort eine vielfältige Samenbank aufgebaut haben) schneller auflaufen, als die Saummischung. Ist das der Fall, solltest du nach ca. zwei Monaten und allerspätestens vor der Samenreife der Beikräuter den Saum mähen. Man nennt diesen Schnitt den Schröpfschnitt. Seine Aufgabe ist einzig das Reduzieren der Beikräuter; für einen leichteren Start des Saumes.

In den Folgejahren wird der Wildblumensaum dann nur einmal jährlich nach dem Winter im zeitigen Frühling gemäht. Das Mähgut musst du aus zweierlei Gründen abräumen:

      1. Die abgemähte Pflanzenmasse würde im Verrottungsprozess zu viele Nährstoffe in den Boden eintragen.
      2. Bei länger anhaltender Feuchtigkeit würde das liegengebliebene Mähgut die darunter liegenden Pflanzen vor der Sonne und der Luft abschirmen und Fäulnisprozesse fördern.

Ein Wildblumensaum braucht keinen Dünger. Ganz im Gegenteil. Je nährstoffarmer der Boden ist, auf dem ein Saum angelegt wurde, um so langlebiger und stabiler ist er.
Dennoch unterliegen auch im Garten alle natürlichen Prozesse der Sukzession, also dem natürlichen Wandel in der Natur.
Säume können verunkrauten, Baumsämlinge können einfliegen, dominante Pflanzen die Oberhand gewinnen und die Artenzusammensetzung stark verändern. Du hast dann zwei Möglichkeiten zu reagieren:

 

      1. Du kannst den Wildblumensaum neu anlegen, wenn er sich zu seinen Ungunsten verändert hat.
      2. Wenn du dich in den Beikräutern ganz gut auskennst und auch die Pflanzen des Saumes gut erkennst, könntest du soweit möglich immer wieder jäten oder stark dominierende Pflanzen etwas eindämmen. In die Lücken können wieder andere Pflanzen springen.

Der Herbst und Winter sind nicht nur die letzte unansehnliche Zeit der Stauden, sondern ihre Ergänzung. Fruchtschmuck und Raureif haben ihren eigenen Charme.

Die große Chance eines Wildblumensaumes

Eine Wildblumenwiese muss gemäht in den Winter, damit sie im Folgejahr blütenreich wieder aufwachsen kann. Dabei verschwinden aber unweigerlich die Winterquartiere und Versteckmöglichkeiten für Klein- und Kleinsttiere. Wildblumensäume (aber auch Staudenbeete) auf dem Grundstück sichern diesen Rückzugsort für den Winter und sind damit kostbare und wichtige Kleinstbiotope.

Aus rein ästhetischer Sicht sind manche Saumarten, wie z.B. Verbascum (Königskerzen), Doldenblütler, wie Daucus carota (Wilde Möhre) und Pastinaca sativa (Gewöhnlicher Pastinak), aber auch Dipsacus (Karden) wunderschöne Wintersteher. Ihre abgeblühten und mit Samen geschmückten Stängel sind auf eine andere Art schön. Wenn sie dann im Winter vor Raureif glitzern kommt die ganze ästhetische Vielfalt einer Pflanze über das Jahr zum Tragen.

 

„Ich entdecke Schönheit in Dingen, die auf den ersten Blick nicht schön wirken. Es braucht Lebenserfahrung, bis man erkennt, worin wahre Schönheit liegt und bis man merkt, dass sie überall ist.“ Piet Oudolf (niederländischer Landschaftsdesigner; aus Oudolf Hummelo von Noel Kingsbury)

 

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