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Wildblumenwiesen anlegen und pflegen

von | 18.Dez 2023 | Hegen & Pflegen

 

Wildblumenwiesen brauchen nach einer Neuanlage ein paar Jahre bis sie in ihrer Artenzusammensetzung stabil sind, dann aber sind sie ausdauernd und pflegeleicht. Eine Samenmischung enthält immer eine größere Auswahl an Wiesenblumenarten. Der Standort und das Kleinklima bestimmen dann, welche sich dauerhaft durchsetzen können und das Leitbild der blühenden, wilden Wiese werden.

Ich beschreibe dir in diesem Artikel Schritt für Schritt, wie du eine neue Wildblumenwiesen anlegen und pflegen musst und wie du bestehende Wiesen blütenreicher werden lassen kannst.

Inhaltsverzeichnis

→ Warum eine Blumenwiese mit heimischen Wildblumen anlegen? 
→ Drei Methoden für artenreiche Wildblumenwiesen 
→ Wildblumenwiesen anlegen 
→ Wildblumenwiesen richtig pflegen 

Du möchtest auch einen Wildblumensaum anlegen? → Wildblumensäume anlegen und pflegen

Du möchtest wissen, wie dir Aussaaten von Wildblumen gelingen?  → Blumensamen richtig aussäen – Eine Anleitung

Warum eine Blumenwiese mit heimischen Wildblumen anlegen?

Vom ästhetischen Standpunkt aus, ist eine wilde Blumenwiese, ganz gleich wie groß sie ist, ein beruhigter Raum, der durch vielfältige Blüten und Farben, durch das Weben der Gräser und die verschiedenen Jahresaspekte besticht. Eine Wildblumenwiese lebt von ihrer wild- dynamischen, ausdauernden aber veränderbaren Artenzusammensetzung, die ihr immer wieder ein leicht verändertes Aussehen geben kann, je nachdem wie die Pflanzen z.B. mit den Wetterverhältnissen zurechtkommen.

Vom Standpunkt der Tierwelt aus sind wildblumenreiche, mehrjährige Wiesen ein Segen für Nektar und Pollen suchende Insekten, aber auch für Tiere, die an Blättern, Gräsern und Stängeln knabbern und vom grünen Saft schlürfen. Allerdings erfüllen nur die heimischen Wildblumenarten diese insektenfreundlichen Voraussetzungen, weil sie mit der Tierwelt schon lange in Wechselbeziehung leben.

Wiesenmischungen mit nur einjährigen Arten sind wenig nachhaltig, weil sie sich nicht auf Dauer selbst erhalten können, dafür fehlen ganz einfach die ausdauernden Stauden, die eine echte Blumenwiese tragen. Samenmischungen mit vielen Kultursaaten, wie Sonnenblumen, Phacelia oder Ringelblumen ernähren zwar die Insekten, die wenig wählerisch sind, doch eben nicht die überwiegende Anzahl der spezialisierten Arten und auch nicht die, die eben nicht nur vom Pollen und Nektar leben. Und am wenigsten günstig sind Blumenmischungen, in denen Sorten mit gefüllten Blüten enthalten sind, denn die haben meist keinen Pollen oder Nektar mehr.

Ein weiterer Aspekt der artenreichen Wiese ist die Tatsache, dass sehr viele Tierarten einen Teil ihres Lebens in ihr verbringen. Sie somit also auch Puppenstube und Lebensraum darstellt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Wildblumenwiese anzulegen oder aber über eine bestimmte Pflege den Artenreichtum zu unterstützen.

Der Artenreichtum auf einer wilden Wiese auf ausgesprochen magerem Standort.

Drei Methoden für artenreiche Wildblumenwiesen

Je nachdem welche Bedingungen du vor Ort hast, lohnt sich eine Neuanlage, eine Streifenansaat oder aber eine regelmäßige Pflegearbeit für mehr Blumen in einer bestehenden Wiese.

  • Eine Wildblumenwiese neu anzulegen, macht z.B. dann Sinn, wenn auf dem Grundstück Bau- und/oder Erdarbeiten stattgefunden haben. Natürlich kannst du dich aber auch im anderen Fall für eine Neuanlage entscheiden, wenn du bspw. Rasen umwandeln möchtest.
  • Nicht immer ist so ein Kraftaufwand möglich oder du lebst vielleicht an einem steilen Hang, so wie ich. Dann ist ein Abtragen der obersten Schichten wegen Abrutschgefahr einfach nicht denkbar. In diesem Fall kann man eine Streifenansaat, die so genannte Burri Methode anwenden. Das sind mind. ein Meter breite Streife in der vorhanden Wiese, die mit einer reinen Blumensamenmischung angesät wurden und so die restliche Fläche mit Blumensaatgut versorgen können.
  • Die einfachste Variante, die allerdings am längsten dauern wird, ist das Mähen und konsequente Abräumen des Mähguts. So können die Pflanzenreste nicht zu Humus zersetzt und als Nährstoffe in den Boden eingetragen werden. Diese würden nur die Gräser in ihrer Dominanz unterstützen. Eine artenreiche Blumenwiese benötigt dagegen mageren Boden und genügend Lücken, damit Samen keimen können.

Du kannst auch mehrere dieser Methoden miteinander verbinden. Gerade eine Streifenansaat mit dem konsequenten Abräumen des Mähguts ist eine übliche Doppelwahl, um eine bestehende, aber Gräser-dominierte Wiese zu mehr artenreichen Blüten zu verhelfen.

Wo kann man eine Wildblumenwiese anlegen?

Wilde Blumenwiesen wachsen oder entstehen in der Natur in Sonnenbereichen im Offenland. Im Wald kann eine Wiese nur auf einer großen Lichtung, mit ausreichend Sonneneinstrahlung entstehen.
Im Garten sind es also die sonnenverwöhnten Stellen, die du in eine Wiese verwandeln kannst. Im Schatten würde den Wiesenarten einfach das Licht und die Energie fehlen.

Wildblumenwiesen anlegen

Eine Neuanlage:

Du hast zwei Möglichkeiten: Du kannst entweder ca. 20 cm deines Bodens abtragen und mit einem Mineralgemisch auffüllen oder du entfernst den Bewuchs und alle Wurzeln, ohne Abtragen.

Bei der Variante A ist der Vorteil, dass das Mineralgemisch unkrautfrei ist und nährstoffarm. Eine Wildblumenwiese hat so ideale Startbedingungen. Beim Mineralgemisch entscheidest du dich am besten für das, was in deiner Umgebung zur Verfügung steht. Bei mir ist das z.B. Kalkstein. Am geeignetsten ist die Größe 0-16. Das heißt, im Mineralgemisch sind Steinchen von 16 mm Durchmesser bis hin zu Staubgröße (0) enthalten.
Die Variante B ist die finanziell günstigere, weil du dir das Ausschachten und wieder Auffüllen sparst. Dennoch ist es durchaus auch arbeits- und zeitaufwendig. Du musst den Pflanzenbewuchs mit einer Fräse oder mit Hilfe von Hacke und Spitzhacke entfernen. Nach einiger Zeit werden wieder Beikräuter keimen. Die müssen wieder heraus gesammelt und gehackt werden. Den Vorgang musst du je nach Unkrautdruck zwei bis vier Mal wiederholen.
Wenn dein Boden sehr schwer ist, arbeitest du am besten in die obersten 10-15 cm Sand ein. Das verbessert die Durchlässigkeit und magert ihn gleichzeitig etwas ab.

Streifeneinsaat /Burri Methode

Bei der Streifeneinsaat werden ein bis mehrere Streifen in einer vorhandenen Wiese angelegt. Sie sollten mind. einen Meter breit sein und können auf die gleiche Art angelegt werden, wie oben bei der Neuanlage beschrieben. Ihre Aufgabe ist es, die umgebende Wiese mit mehr Saatgut von blühenden Stauden zu versorgen. Du kannst einfach so viele oder wenige Streifen, wie es für dich oder das Grundstück möglich ist, anlegen. Jeder Streifen mit reiner Blumeneinsaat ist dabei unterstützend.

Wann kann man eine Wildblumenwiese anlegen

Die günstigste Zeit ist der frühe Herbst, zwischen August und September. Dann ist der Boden meist noch trocken, was für eine Einsaat ideal ist, weil beim Anwalzen des Saatguts auf feuchtem Boden, nur alles (auch die Samen) am Brett hängen bleibt. Dann aber folgt die feuchte Jahreszeit, so dass man die Ansaat nicht weiter betreuen muss. Die ersten Keimlinge könnten je nach Wetterlage noch im gleichen Jahr keimen, aber tendenziell wird die Wiese im kommenden Frühling keimen und aufwachsen.
Die zweite Möglichkeit einer Anlage ist im Frühling, zwischen März und Mai. Wenn du in einer trockenen Gegend lebst, kann es aber sein, dass du die Anlage – im schlimmsten Fall täglich – wässern musst. Die Samen brauchen eine gleichmäßige Feuchtigkeit zur Keimung und benötigen dafür 4-8 Wochen.

Ist die Fläche vorbereitet, kannst du dir die Wildblumenwiesenmischung nehmen und sie möglichst gleichmäßig über die Fläche verteilen. Da Wildblumensamen meist klein und teilweise winzig sind, kann es hilfreich sein, das Saatgut mit trockenem Sand, Sägemehl oder geschrotetem Getreide zu vermischen. Es hat sich auch bewährt, die abgewogene Menge Saatgut zu teilen und in Längs- und Querrichtung auszusäen.
Wildblumen sind sehr häufig Lichtkeimer, daher werden die Samen nicht mit Erde abgedeckt oder eingerecht, sondern lediglich z.B. mit einem Brett angewalzt. So entsteht Erdkontakt, was für das erfolgreiche Keimen relevant ist. Danach wird die Fläche mit einer feinen Brause vorsichtig gewässert. Wenn du ein Mineralgemisch verwendet hast, dann kannst du nach der Einsaat allerdings direkt mit einer feinen Brause gut anwässern.

Unter Obstbäumen ist eine Wildblumenwiese besonders geeignet, denn zur Obsternte kannst du die zweite Mahd ansetzen und dann auch gleich einfacher ernten. Richtig schön wird es, wenn du um den Baum herum, noch vor der Einsaat verschiedene Blumenzwiebeln steckst. Zwei Fliegen mit einer Klappe und ein wunderbarer und passender Obstbaumunterwuchs.

Wildblumenwiesen richtig pflegen

Erste Regel: nicht düngen! Wildblumen- Wiesenarten benötigen eher mageren Boden. Sie sind dann konkurrenzfähiger und blühfreudiger. Dünger fördert außerdem die eh schon dominanteren Gräser Arten, die zwar in eine Wiese gehören, aber nicht überwiegen sollen.

Zweite Regel: Regelmäßig mähen. Leider immer dann, wenn es am schönsten ist. Der erste Schnitt des Jahres sollte dann erfolgen, wenn die Margeriten anfangen zu verblühen. Der letzte Schnitt sollte zeitlich so eingerichtet sein, dass die Wiese kurz in den Winter geht. So kommt im Frühling überall die Sonne hin und die Blühstauden in der Wiese haben gute Wachstumsbedingungen.
Bei einem Magerrasen reicht häufig eine Mahd im Jahr. Wiesen auf normalem Boden brauchen zwei, in sehr nassen Sommern manchmal auch drei Schnitte und Fettwiesen benötigen drei oder auch mal vier Schnitte pro Jahr.
Wenn es möglich ist, teile die zu mähende Fläche in Abschnitte auf, die du zeitversetzt mähst, so verschwinden nicht sofort alle Blüten und Gräser und damit das Nahrungsangebot und die Rückzugsorte für viele Tierchen.

Dritte Regel: Mähgut immer abräumen! Nicht mulchen. Wenn die Pflanzenreste auf der Fläche liegen bleiben und langsam zersetzen und zu Humus umgebaut werden, entstehen zu viele Nährstoffe. Diese fördern das Gräser Wachstum und verdrängen damit die blühenden Stauden.
Günstig ist es, das Mähgut noch drei Tage liegen zu lassen. So wird es Heu. Vielleicht kannst du es oder ein Nachbar sogar noch gebrauchen. Innerhalb der Trocknungstage reifen auf jeden Fall noch viele Samen nach und fallen aus, so wird die Samenbank des Bodens vielfältiger.

In einem Naturgarten- Seminar hat Birgit Helbig (Naturgartenplanerin) zu mir gesagt: „Du kannst jeden Fehler einmal machen. Aber nur einmal.“ Denn in einer nicht gemähten oder gemulchten Wiese verschwinden innerhalb einer Saison viele blühenden Stauden, weil sie sich nicht gegen die Gräser durchsetzen können oder zu wenig Licht den Boden erreicht und sie so keine guten Wachstumsbedingungen haben.

 

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