Wildblumenwiesen brauchen nach einer Neuanlage ein paar Jahre bis sie in ihrer Artenzusammensetzung stabil sind, dann aber sind sie ausdauernd und pflegeleicht. Eine Samenmischung enthält immer eine größere Auswahl an Wiesenblumenarten. Der Standort und das Kleinklima bestimmen dann, welche sich dauerhaft durchsetzen können und das Leitbild der blühenden, wilden Wiese werden.
Ich beschreibe dir in diesem Artikel Schritt für Schritt, wie du eine neue Wildblumenwiesen anlegen und pflegen musst und wie du bestehende Wiesen blütenreicher werden lassen kannst.
Inhaltsverzeichnis
→ Warum eine Blumenwiese mit heimischen Wildblumen anlegen?
→ Drei Methoden für artenreiche Wildblumenwiesen
→ Wildblumenwiesen anlegen
→ Wildblumenwiesen richtig pflegen
Du möchtest auch einen Wildblumensaum anlegen? → Wildblumensäume anlegen und pflegen
Du möchtest wissen, wie dir Aussaaten von Wildblumen gelingen? → Blumensamen richtig aussäen – Eine Anleitung
Warum eine Blumenwiese mit heimischen Wildblumen anlegen?
Vom ästhetischen Standpunkt aus, ist eine wilde Blumenwiese, ganz gleich wie groß sie ist, ein beruhigter Raum, der durch vielfältige Blüten und Farben, durch das Weben der Gräser und die verschiedenen Jahresaspekte besticht. Eine Wildblumenwiese lebt von ihrer wild- dynamischen, ausdauernden aber veränderbaren Artenzusammensetzung, die ihr immer wieder ein leicht verändertes Aussehen geben kann, je nachdem wie die Pflanzen z.B. mit den Wetterverhältnissen zurechtkommen.
Vom Standpunkt der Tierwelt aus sind wildblumenreiche, mehrjährige Wiesen ein Segen für Nektar und Pollen suchende Insekten, aber auch für Tiere, die an Blättern, Gräsern und Stängeln knabbern und vom grünen Saft schlürfen. Allerdings erfüllen nur die heimischen Wildblumenarten diese insektenfreundlichen Voraussetzungen, weil sie mit der Tierwelt schon lange in Wechselbeziehung leben.
Wiesenmischungen mit nur einjährigen Arten sind wenig nachhaltig, weil sie sich nicht auf Dauer selbst erhalten können, dafür fehlen ganz einfach die ausdauernden Stauden, die eine echte Blumenwiese tragen. Samenmischungen mit vielen Kultursaaten, wie Sonnenblumen, Phacelia oder Ringelblumen ernähren zwar die Insekten, die wenig wählerisch sind, doch eben nicht die überwiegende Anzahl der spezialisierten Arten und auch nicht die, die eben nicht nur vom Pollen und Nektar leben. Und am wenigsten günstig sind Blumenmischungen, in denen Sorten mit gefüllten Blüten enthalten sind, denn die haben meist keinen Pollen oder Nektar mehr.
Ein weiterer Aspekt der artenreichen Wiese ist die Tatsache, dass sehr viele Tierarten einen Teil ihres Lebens in ihr verbringen. Sie somit also auch Puppenstube und Lebensraum darstellt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Wildblumenwiese anzulegen oder aber über eine bestimmte Pflege den Artenreichtum zu unterstützen.
Der Artenreichtum auf einer wilden Wiese auf ausgesprochen magerem Standort.
Drei Methoden für artenreiche Wildblumenwiesen
Je nachdem welche Bedingungen du vor Ort hast, lohnt sich eine Neuanlage, eine Streifenansaat oder aber eine regelmäßige Pflegearbeit für mehr Blumen in einer bestehenden Wiese.
- Eine Wildblumenwiese neu anzulegen, macht z.B. dann Sinn, wenn auf dem Grundstück Bau- und/oder Erdarbeiten stattgefunden haben. Natürlich kannst du dich aber auch im anderen Fall für eine Neuanlage entscheiden, wenn du bspw. Rasen umwandeln möchtest.
- Nicht immer ist so ein Kraftaufwand möglich oder du lebst vielleicht an einem steilen Hang, so wie ich. Dann ist ein Abtragen der obersten Schichten wegen Abrutschgefahr einfach nicht denkbar. In diesem Fall kann man eine Streifenansaat, die so genannte Burri Methode anwenden. Das sind mind. ein Meter breite Streife in der vorhanden Wiese, die mit einer reinen Blumensamenmischung angesät wurden und so die restliche Fläche mit Blumensaatgut versorgen können.
- Die einfachste Variante, die allerdings am längsten dauern wird, ist das Mähen und konsequente Abräumen des Mähguts. So können die Pflanzenreste nicht zu Humus zersetzt und als Nährstoffe in den Boden eingetragen werden. Diese würden nur die Gräser in ihrer Dominanz unterstützen. Eine artenreiche Blumenwiese benötigt dagegen mageren Boden und genügend Lücken, damit Samen keimen können.
Du kannst auch mehrere dieser Methoden miteinander verbinden. Gerade eine Streifenansaat mit dem konsequenten Abräumen des Mähguts ist eine übliche Doppelwahl, um eine bestehende, aber Gräser-dominierte Wiese zu mehr artenreichen Blüten zu verhelfen.
Wo kann man eine Wildblumenwiese anlegen?
Wilde Blumenwiesen wachsen oder entstehen in der Natur in Sonnenbereichen im Offenland. Im Wald kann eine Wiese nur auf einer großen Lichtung, mit ausreichend Sonneneinstrahlung entstehen.
Im Garten sind es also die sonnenverwöhnten Stellen, die du in eine Wiese verwandeln kannst. Im Schatten würde den Wiesenarten einfach das Licht und die Energie fehlen.
Wildblumenwiesen anlegen
⇒ Eine Neuanlage:
Du hast drei Möglichkeiten: Du kannst entweder ca. 20 cm deines Bodens abtragen und mit einem Mineralgemisch auffüllen, du könntest auch auf eine kurz gemähte Wiese 20 cm Substrat aufbringen oder du entfernst den Bewuchs und alle Wurzeln, ohne Abtragen.
Bei der Variante A ist der Vorteil, dass das Mineralgemisch unkrautfrei ist und nährstoffarm. Eine Wildblumenwiese hat so ideale Startbedingungen. Beim Mineralgemisch entscheidest du dich am besten für das, was in deiner Umgebung zur Verfügung steht. Bei mir ist das z.B. Kalkstein. Am geeignetsten ist die Größe 0-16. Das heißt, im Mineralgemisch sind Steinchen von 16 mm Durchmesser bis hin zu Staubgröße (0) enthalten. Oben auf kommen 1-2 cm gütegesicherter, unkrautfreier Kompost. Der hat zwei Aufgaben: Zum einen keimen in ihm nur die Pflanzen der Wiesenmischung und zum anderen kann Kompost besser die Feuchtigkeit halten, als der Schotter und bietet so den Sämlingen einen besseren Start.
Variante B verläuft in der Vorbereitungsphase ganz ähnlich wie A, nur dass man hier den Boden nicht abträgt. Wenn z.B. Rasen vorhanden ist, wird der sehr kurz gemäht. Dann wird eine 20 cm Schicht mit Kompost oben auf aufgebracht. Material und Schichtstärke wie bei Variante A.
Die Variante C ist die finanziell günstigere, weil du dir das mögliche Ausschachten und Auffüllen sparst. Dennoch ist es durchaus auch arbeits- und zeitaufwendig. Du musst den Pflanzenbewuchs mit einer Fräse oder mit Hilfe von Hacke und Spitzhacke entfernen. Nach einiger Zeit werden wieder Beikräuter keimen. Die müssen wieder heraus gesammelt und gehackt werden. Den Vorgang musst du je nach Unkrautdruck zwei bis vier Mal wiederholen, bis du eine schöne so genannte Schwarzbrache hast. Kurz vor der Einsaat wird der Boden noch einmal flach aufgebrochen.
Wenn dein Boden sehr schwer ist, arbeitest du am besten in die obersten 15 – 20 cm Sand ein. Das verbessert die Durchlässigkeit und magert ihn gleichzeitig etwas ab.
⇒ Streifeneinsaat /Burri Methode
Bei der Streifeneinsaat werden ein bis mehrere Streifen in einer vorhandenen Wiese angelegt. Sie sollten mind. einen Meter breit sein und können auf die gleiche Art angelegt werden, wie oben bei der Neuanlage beschrieben. Ihre Aufgabe ist es, die umgebende Wiese mit mehr Saatgut von blühenden Stauden zu versorgen. Du kannst einfach so viele oder wenige Streifen, wie es für dich oder das Grundstück möglich ist, anlegen. Jeder Streifen mit reiner Blumeneinsaat ist dabei unterstützend.
Wann kann man eine Wildblumenwiese anlegen
Die günstigste Zeit ist der frühe Herbst, zwischen August und September/Oktober. Dann folgt die feuchte Jahreszeit, so dass man die Ansaat nicht weiter betreuen muss. Die ersten Keimlinge könnten je nach Wetterlage noch im gleichen Jahr keimen, aber tendenziell wird die Wiese im kommenden Frühling keimen und aufwachsen.
Die zweite Möglichkeit einer Anlage ist im Frühling, zwischen Februar/März und April. Wenn du in einer trockenen Gegend lebst, kann es aber sein, dass du die Anlage – im schlimmsten Fall täglich – wässern musst. Die Samen brauchen eine gleichmäßige Feuchtigkeit zur Keimung und benötigen dafür 4-8 Wochen. Du kannst dich aber auch gegen das Wässern entscheiden. Dann braucht die Wiese ein bischen länger, falls es ein trockenes Frühjahr wird. Spätestens im darauffolgenden Jahr werden sich die Lücken schließen.
Wofür du dich entscheidest, hängt also ein bischen davon ab, wieviel Geduld du hast oder wie schnell du deinen Erfolg sehen willst.
Ist die Fläche vorbereitet, kannst du dir die Wildblumenwiesenmischung nehmen und sie möglichst gleichmäßig über die Fläche verteilen. Da Wildblumensamen meist klein und teilweise winzig sind, kann es hilfreich sein, das Saatgut mit trockenem Sand, Sägemehl oder geschrotetem Getreide zu vermischen. Es hat sich auch bewährt, die abgewogene Menge Saatgut zu teilen und in Längs- und Querrichtung auszusäen.
Wildblumen sind sehr häufig Lichtkeimer, daher werden die Samen nicht mit Erde abgedeckt oder eingerecht, sondern lediglich z.B. mit einem Brett angewalzt. So entsteht Erdkontakt, was für das erfolgreiche Keimen relevant ist. Danach wird die Fläche mit einer feinen Brause vorsichtig gewässert, wenn du dich für das regelmäßige Wässern entschieden hast. Andernfalls bist du nach dem Anwalzen fertig.
Unter Obstbäumen ist eine Wildblumenwiese besonders geeignet, denn zur Obsternte kannst du die zweite Mahd ansetzen und dann auch gleich einfacher ernten. Richtig schön wird es, wenn du um den Baum herum, noch vor der Einsaat verschiedene Blumenzwiebeln steckst. Zwei Fliegen mit einer Klappe und ein wunderbarer und passender Obstbaumunterwuchs.
Wildblumenwiesen richtig pflegen
⇒ Die Neuanlage richtig pflegen
Im ersten Jahr geht es bei der Pflege vor allem darum, die eingeflogenen Beikräuter zu schwächen und den Wiesenpflanzen oder neuen Keimlingen beste Startbedingungen zu schaffen, um eine stabile Wiese zu erhalten. Das bedeutet leider, dass es im ersten Jahr keine blühenden Wiesenblumen geben wird, da sie drei mal in der Vegetationszeit gemäht werden müssen. In diesem jungen Stadium der Wiese spricht man von den so genannten Schröpfschnitten. Es sind Pflegeschnitte, die das hohe Aufwachsen der nicht gewünschten Beikräuter in Schach hält und somit den Wiesenpflanzen bessere Wachstumsbedingungen ermöglicht.
Der Schröpfschnitt ist 10 cm hoch. Das Mahdgut muss abgeräumt werden. Das ist besonders wichtig. Andernfalls haben die dardrunter wachsenden Arten keine Chance.
Im zweiten Jahr verläuft die Pflege dann wie bei einer Bestandswiese.
⇒ Die Bestandswiese richtig pflegen
• Erste Regel: nicht düngen! Wildblumen- Wiesenarten benötigen eher mageren Boden. Sie sind dann konkurrenzfähiger und blühfreudiger. Dünger fördert außerdem die eh schon dominanteren Gräser Arten, die zwar in eine Wiese gehören, aber nicht überwiegen sollen.
• Zweite Regel: Regelmäßig mähen. Leider immer dann, wenn es am schönsten ist. Der erste Schnitt des Jahres sollte dann erfolgen, wenn die Margeriten anfangen zu verblühen. Das ist je nach Standort im Juni oder Anfang Juli. Der letzte Schnitt sollte zeitlich so eingerichtet sein, dass die Wiese kurz (10 cm Höhe) in den Winter geht. So kommt im Frühling überall die Sonne hin und die Blühstauden in der Wiese haben gute Wachstumsbedingungen.
Bei einem Magerrasen reicht häufig eine Mahd im Jahr. Wiesen auf normalem Boden brauchen zwei, in sehr nassen Sommern manchmal auch drei Schnitte und Fettwiesen benötigen drei oder auch mal vier Schnitte pro Jahr.
Wenn es möglich ist, teile die zu mähende Fläche in Abschnitte auf, die du zeitversetzt mähst, so verschwinden nicht sofort alle Blüten und Gräser und damit das Nahrungsangebot und die Rückzugsorte für viele Tierchen.
• Dritte Regel: Mähgut immer abräumen! Nicht mulchen! Wenn die Pflanzenreste auf der Fläche liegen bleiben und langsam zersetzen und zu Humus umgebaut werden, entstehen zu viele Nährstoffe. Diese fördern das Gräserwachstum und verdrängen damit die blühenden Stauden.
Günstig ist es, das Mähgut im Sommer noch drei Tage liegen zu lassen. So wird es Heu. Vielleicht kannst du es oder ein Nachbar sogar noch gebrauchen. Innerhalb der Trocknungstage reifen auf jeden Fall noch viele Samen nach und fallen aus, so wird die Samenbank des Bodens vielfältiger. Beim letzen Schnitt im Herbst regnet es ja schon häufig. Dann ist es nicht immer möglich, das Schnittgut zu trocknen…darum musst du es u.U. auch feucht von der Fläche harken.
In einem Naturgarten- Seminar hat Birgit Helbig (Naturgartenplanerin) zu mir gesagt: „Du kannst jeden Fehler einmal machen. Aber nur einmal.“ Denn in einer nicht gemähten oder gemulchten Wiese verschwinden innerhalb einer Saison viele blühenden Stauden, weil sie sich nicht gegen die Gräser durchsetzen können oder zu wenig Licht den Boden erreicht und sie so keine guten Wachstumsbedingungen haben. Und mit den vielfältigen Pflanzenarten, die verschwinden, geht natürlich auch bei den Insekten einen Artenverlust einher.
Wiese doht zu vergasen – was ist zu tun
Nährstoffreiche Böden und regenreiche Jahre fördern ausnahmslos das Gräserwachstum. Natürlich gehören die verschiedenen Gräserarten in eine Wiese, aber es gibt Situationen, in denen sie überhand nehmen und die blühenden Wiesenpflanzen verdrängen. Dann ist es wichtig das übliche Pflegeverhalten für ein Jahr anzupassen, um die Vielfalt der Blühpflanzen zu fördern.
Die erste Mahd erfolgt deutlich früher, nämlich schon im Mai, zwei bis drei weitere folgen bis zum Ende der Vegetationszeit im Herbst. Madgut natürlich immer abräumen. So unterdrückt man das Gräserwachstum und bringt wieder mehr Luft und Licht in die Fläche, was die Blumen unterstützt.


