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Wildpflanzen im Topf – Eine Pflanzanleitung

von | 11.Sep 2022 | Hegen & Pflegen

Ein Balkon oder eine Terrasse sind hervorragende Orte, um kleine Naturräume zu gestalten, Insekten und Vögel durch Nahrung anzulocken und zu beobachten, um sich selbst an den Blüten und Düften zu erfreuen. Eben Schönheit auf kleinstem Raum.

Wildpflanzen im Topf, trotz Garten? Ja, unbedingt! Es gibt viele Gründe, dir mir da sofort einfallen:

    • für die Insekten zählt jede Pflanze, egal ob im Topf oder Beet
    • die Blütenzeiten sind anders, gerade in trockenen Jahren können wir in den Töpfen längere Blühphasen genießen
    • die Töpfe können wir ganz nah zu uns holen, sie ganz anders wahrnehmen und beobachten; gerade auch Duftpflanzen direkt in Riechweite zu haben, ist fabelhaft
    • du kannst im Topf auch Lieblingspflanzen kultivieren, die auf deinem Grundstück nicht wachsen würden, weil es die Standortbedingungen nicht hergeben
    • eine große Terrasse auf dem Grundstück bietet begrünt und blühend so viel mehr Lebensqualität und ist genutzter Raum

Wildstauden in Töpfe und Kübel zu pflanzen ist grundsätzlich einfach. Du musst dir anfänglich nur einmal zum Standort, der Art der Gefäße und dem Substrat Gedanken machen. Los geht´s.

 

Inhaltsverzeichnis

→ Standortbedingungen analysieren
→ Pflanzgefäße – Materialkunde
→ Welche Blumenerde für Wildblumen
→ Pflanzanleitung: Schritt für Schritt
→ Wildstauden miteinander kombinieren

Deine Wildpflanzen sollen ins Beet? → Heimische Wildstauden pflanzen – Eine Anleitung

Du hast Saatgut von Wildblumen? → Blumensamen richtig aussäen – Eine Anleitung

Standortbedingungen analysieren

Es ist für das Wachstum, die Gesundheit und die Blüte wichtig, dass die Pflanzen am richtigen Standort wachsen können. Daher schaue dir die drei Punkte im Hinblick auf deinen Balkon oder Terrasse an.

 

    1. Wie sind die Lichtverhältnisse auf deinem Balkon oder Terrasse? Also wie viele Stunden am Tag scheint die Sonne drauf? Ganztägig und/oder über die Mittagszeit sind sonnige Standorte. Morgensonne und Abendsonne sind Halbschattenorte. Weniger läuft unter Schatten.
    2. Ist dein Balkon oder Terrasse windgeschützt oder eher nicht? Wind kurbelt die Verdunstung an und erhöht so den Trockenheitsfaktor. Außerdem haben zarte Pflanzen es schwer standhaft zu bleiben.
    3. Für den Wasserbedarf ist die Frage nach einer vorhandenen Überdachung relevant. Ohne Dach kann der Regen praktischerweise mit gießen.

Pflanzgefäße für Wildpflanzen

Grundsätzlich ist ein großes Gefäß besser als ein kleines: die Pflanze hat mehr Wurzelraum, es heizt bei Sonnenstrahlung nicht so schnell auf, lässt auf Grund der Menge des Substrats weniger Wasser verdunsten und weist mehr Bodenleben auf. Also, wenn du die Möglichkeit hast, dann denke groß!

Eine kleine Materialkunde zu den gängigsten Gefäßen: Ton, Metall, Kunststoff und Holz. Letztlich entscheidest du, was sich für dich richtig anfühlt, was dir gefällt oder was du grad zur Verfügung hast.

 

    • Tontöpfe sind ideal. Sie gleichen Temperaturen und Feuchtigkeit aus und sind atmungsaktiv. Allerdings sind sie schwer, was auf einem Balkon bedacht werden muss. Es heißt, sie seien nicht frostfest, weil Feuchtigkeit im Ton ihn bei Frost sprengen kann. Ich habe in all den Jahren nicht diese Erfahrung gemacht, selbst ohne Winterschutz.
    • Kunststoff wird zwar irgendwann durch die Sonne spröde, ist aber wunderbar leicht – daher interessant auf dem Balkon – und verhindert die Verdunstung von Wasser. Leider heizt es sich bei Sonne recht schnell auf.
    • Metall hat die gleichen guten Eigenschaften wie Kunststoff, ist dafür aber langlebiger. Es heizt sich auch schnellerer auf, als beispielsweise Ton. Beliebte Pflanzgefäße sind Zinkwannen und -eimer, sowie Eimer und Schüsseln aus Emaille. Neben Tontöpfen nutze ich sie am liebsten.
    • Holzgefäße mit Leinöl imprägniert halten etliche Jahre. Sie vereinen alle guten Eigenschaften von Ton und Metall und sind mittelschwer.

Schüsseln und Eimer aus Emaille sind auch farblich tolle Pflanzgefäße.

Ton ist eines der beliebtesten Materialien. Aber auch Kunststoff hat positive Eigenschaften.

Wer noch alte Zinkwannen hat, kann daraus einen kleinen Naturraum gestalten.

Welche Blumenerde für Wildblumen?

Die meisten Wildstauden bevorzugen einen nährstoffarmen und vor allem durchlässigen Boden. Typische Waldbewohner oder Pflanzen, die es lieber etwas frischer an den Füßen mögen, haben es gerne nährstoffreicher. Dennoch ist das nicht mit dem Bedarf der Zier- und Schmuckstauden zu vergleichen und darum können wir nicht einfach die stark aufgedüngten Blumenerden nutzen.

Erde versus Substrat

Man spricht nur dann von Erde, wenn es um den natürlich entstandenen Boden im Garten und Freiland geht. Für Kulturen im Topf werden Substrate (im Alltag nennt man sie meist Blumenerde) verwendet, die organische und anorganische Bestandteile haben. Also aus Rinde, Grünschnitt und Torfersatzstoffe, wie Blähton, Lava, Sand etc. bestehen.

Das Substrat hat mehrere Funktionen im Topf:

  • richtige Menge an Nährstoffen liefern
  • Luftporen ermöglichen, damit die Wurzeln atmen können
  • überschüssiges Wasser zügig abfließen lassen aber auch Wasser speichern können, für trockenere Zeiten

Die Substratmischung

Um diese Funktionen sicher zu stellen, mischst du dir einfach dein eigenes Substrat für deine Wildpflanzen aus den folgenden Bestandteilen:

  • torffreie Blumenerde oder Gartenerde und Kompost als Basis und Nährstoffgeber
  • Sand zum Abmagern und für die Durchlässigkeit
  • Blähton oder Bims zum Abmagern, als Speicherfunktion, für die Durchlässigkeit und Stabilität des Substrats

Ich verwende gerne Sand und Blähton zu gleichen Teilen gemeinsam, so sind alle Eigenschaften kombiniert. Auf einem Balkon könnte es aber interessant sein, nur Blähton zu nutzen, da er wesentlich leichter als Sand ist.
Das Verhältnis von der torffreien Blumenerde (oder Gartenerde mit Kompost gemischt) zu Sand und/oder Blähton liegt bei 2:1. Du kannst das Verhältnis bis 1:1 steigern.

 

Die Pflanzen sind da

Bestellte Stauden gleich aus dem Karton auspacken, damit sie sich von dem Lichtmangel und dem Transport erholen können. Stelle sie für ca. drei Tage an einen schattigen, aber hellen Ort. Ist der Wurzelballen zu trocken, dann gleich gießen.

Hast du Pflanzen direkt in der Gärtnerei gekauft, kannst du sie auch gleich einpflanzen.

Qualitätsmerkmale

Im Herbst kann es vorkommen, dass sich die oberirdischen Pflanzenteile der Topfpflanzen bereits zurückziehen und nicht mehr frisch grün aussehen. Sie sammeln ihre Kraft im Wurzelbereich und treiben im kommenden Jahr neu aus. In dem Fall kannst du an den Wurzeln erkennen, ob die Blume dennoch kräftig und gesund ist: Wurzeln -egal ob dick oder dünn – sollten mehr oder weniger stark den ganzen Topf durchwurzelt haben. Einige Arten, wie z.B. Sedum sind Ausnahmen, die kein stark ausgeprägtes Wurzelsystem ausbilden.

Wildpflanzen im Topf – eine Pflanzanleitung

Die Wildstauden sind bereit gepflanzt zu werden, du hast den richtigen Standort gewählt und Topf und Substrat vorbereitet:

Stelle die Stauden für einen Moment in einen Eimer mit Wasser, damit sie sich vollsaugen können und gleich einen Wasservorrat haben.

Tiefwurzler

Das sind Pflanzen, die tiefer in die Erde wurzeln, als andere. Manchmal mit Hilfe einer Pfahlwurzel, manchmal durch viele feine Wurzeln. Achte beim Kauf darauf, ob die Wildstaude ein Tiefwurzler ist. Der Topf sollte dann mind. 30 cm und besser 40 cm oder mehr Tiefe haben.
* In meinem Shop findest du auf der jeweiligen Produktseite einen Hinweis, wenn es sich um einen Tiefwurzler handelt.

Lege nun auf das Abzugsloch im Topf eine Tonscherbe (z.B. von einem alten, kaputten Tontopf), damit nichts vom Substrat direkt hinaus rieselt. Das Abzugsloch ist wichtig, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann und so die Wurzeln nicht irgendwann faulen würden.

Bei besonders großen und hohen Töpfen kannst du dann noch eine Drainageschicht aus Sand oder Blähton einfüllen, die einige Zentimeter stark ist. Allerdings ist das von dir gemischte Substrat für die Wildstauden bereits sehr durchlässig und erfüllt damit bereits die Aufgabe einer Drainageschicht.

Ich möchte es daher dir selbst überlassen, für was du dich entscheidest, was du ausprobieren möchtest. Ich selbst nutze mit Erfolg keine zusätzliche Drainageschicht.

Fülle nun das Substrat in den Topf. Am Ende soll das Substrat ca. 2 cm unterhalb vom Topfrand sein. So passt beim Gießen noch das Wasser in den Topf, ohne über zu laufen.

Sind sehr viele Wurzeln unten aus dem Topf heraus gewachsen, kannst du sie mit einer Gartenschere oder einem Messer wegschneiden.

Nimm die Wildblume aus ihrem Plastiktöpfchen und reiße den unteren Bereich der Wurzeln etwas auf, wenn sie sehr dicht verwurzelt ist. Durch diese kleine Verletzung bekommen die Wurzeln einen Wachstumsanreiz.

Die Staude pflanzt du anschließend so tief in das Substrat, dass sie
a) mit dem Gießrand abschließt und
b) der Wurzelbereich max. 1 cm von frischem Substrat überdeckt wird oder gerade so hoch, wie im gekauften Topf. Der Wurzelbereich darf nicht über dem Substrat herausragen.

Nun noch leicht das Substrat andrücken …

… und angießen, damit die Wurzeln Kontakt zum Substrat erhalten und damit einen weiteren Reiz loszuwachsen.
Um die Wasserverdunstung zu verringern, kannst du mit Sand oder Kies mulchen, d.h. du bringst eine 2-3cm hohe Schicht auf das Substrat und um die Pflanze herum auf. Fertig.

Wildpflanzen im Topf kombinieren

Manche Wildblumen sind sehr konkurrenzstark, andere wachsen still und langsamer vor sich hin. Vor dem Einpflanzen musst du bedenken, welche Kombination von Wildstauden im Topf besonders gut funktionieren.
Auch hier können dir die Informationen auf der jeweiligen Produktseite im Shop weiterhelfen.

Am besten setzt du immer langsam wachsende und zarte Pflanzen zusammen in einen Topf und die konkurrenzstarken in einen anderen. Du kannst hohe und niedrig wachsende miteinander kombinieren, dann muss der Topf aber so stehen, dass auch die kleine Pflanze Sonne abbekommt, es sei denn sie braucht Schatten. Du siehst, es gibt kein klares Richtig und Falsch. Wichtig ist nur, die Standortbedingungen und das Wuchsverhalten der Wildblumen zu kennen und dann kannst du selbst kreativ werden.

Es geht vor allem darum, dass du dich deinen Pflanzen zuwendest, sie beobachtest, dann wirst du merken, wenn sie sich nicht wohl fühlen oder die eine Staude die andere überrennt. Dann nimmst du sie einfach auseinander und pflanzt sie entweder in Einzeltöpfe oder mit anderen zusammen.

 

Wie überwinterst du deine Wildstauden in Töpfen und Kübeln? → Überwinterung von Wildblumen im Topf

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